Berichte

Überschreitung der Kampenwand

Kampenwand

Als wir (Manuela und Harriet) die Ausschreibung im Tourenprogramm gelesen hatten, waren wir uns einig, dass diese Tour eher nicht für uns „Anfänger“ geeignet ist. Nach eingehender Beratung mit Tom wollten wir es dann aber doch wagen.

Wir trafen etwas zu früh an unserem Treffpunkt ein, nutzten aber die Zeit, um uns die Füße zu vertreten und dabei auch unsere Nervosität zu bändigen. Auf der Autobahn war überraschend wenig los und somit hatten wir in Aschau noch genügend Zeit unser Material zu checken und die letzten Instruktionen unseres „Tourenguides“ entgegenzunehmen, bevor uns die erste Gondel nach oben brachte.

Oben angekommen, stellten wir erfreut fest, dass es für einen Samstag recht ruhig zuging und wir die Tour deshalb ohne Zeitdruck angehen konnten.

Nach einem kurzen Zustieg kamen wir zum Start unserer Überschreitung – dem »Torweg«. Vor uns war nur eine Zweierseilschaft, die einen anderen Einstieg wählte. Somit hatten wir freie Bahn und konnten die Tour entspannt angehen. Nachdem jeder seinen Klettergurt angezogen hatte und wir angeseilt waren, ging es auch schon los. Nach den ersten Klettermetern legte sich die Nervosität endgültig und der Spaß am Felsklettern kam zum Vorschein. Wir hatten beide ein breites Grinsen im Gesicht. Das Wetter war fantastisch und der Ausblick einfach umwerfend. Nach dem Felsentor kam eine enge Verschneidung und wir waren sehr froh, kleine Rucksäcke dabei zu haben. Nichtsdestotrotz mussten wir uns dünne machen, um dort hoch zu kommen. Oben auf dem Grat beim Westgipfel angekommen, erwartete uns ein atemberaubender Blick auf das imposante Felsformat des Gmelch- und Teufelsturmes. Es kam zugleich große Vorfreude aber auch Respekt in uns hoch, als wir sahen, was Tom da mit uns klettern wollte. Nach einem kurzen Fußabstieg kamen wir zur Nordverschneidung des Gmelchturmes, die wir in einer Seillänge erkletterten. Beim Abstieg erprobten wir dann das Ablassen bzw. Abseilen. Kaum unten angelangt und ein paar Schritte gegangen, ging es gleich wieder in einer Seillänge über die Nordwestkante zum Teufelsturm hoch. Dort oben machten wir erst mal eine Pause und genossen die gigantische Aussicht über den Chiemsee. Leider machte uns das Wetter etwas Sorgen. Vom Kaisergebirge her formierte sich eine dunkle Wetterfront. Man konnte sehr schön die Wetterschneise sehen, die sich uns nun zeigte: auf der einen Seite der Chiemsee im Sonnenschein und vom Kaisergebirge her die Schlechtwetterfront. Die Pause fiel entsprechend kurz aus und wir machten uns auf in Richtung Hauptgipfel. Dort angekommen, stellten wir fest, dass die eigentliche Schlüsselseillänge der Überschreitung – die Nordwestverschneidung auf den Hauptgipfel - vom Regen des Vortages noch tropfnass war. Der Wind blies zudem auch heftig um die Ecke und wir standen schlotternd vor der Wand. Jetzt verstanden wir auch, warum die Zweierseilschaft vor uns den Aufstieg abgebrochen hatte. Tom entschloss sich dazu, hier erst gar nicht einzusteigen. Dafür waren wir ihm auch sehr dankbar, denn sehr einladend sah das für uns nicht aus. Nach einem kurzen, aber kniffeligen Abstieg, durch Tom gesichert, ging es nach einer Umgehung über die Ostseite aber doch noch auf den Hauptgipfel hoch. Dort gab es die verdiente Gipfelbrotzeit und einen Platz in der Sonne, denn die Wolken hatten sich zum Glück wieder etwas verzogen. Tom entschied sich dafür, uns aufgrund der kurzzeitigen Wetterbesserung noch eine kleine aber „feine“ Kletterzugabe zu bescheren, obwohl nach dem Abstieg über den Ostgrat die eigentliche „Überschreitung“ in der Schlechinger Scharte endet.

Nachdem wir konzentriert über den Ostgrat abgeklettert waren, machten wir uns - nun im „Wandermodus“ - auf in Richtung Ostgipfel. Wir kamen aber nicht weit und standen alsbald vor einer tiefen Schlucht, die noch meterhoch mit Schnee gefüllt war. Nach kurzem Überlegen und dem Überprüfen unserer Schuhe auf Tauglichkeit kam Tom zu dem Entschluss, noch ein paar kleine Elemente aus dem „Grundkurs Eis“ in die Tour einbauen zu müssen. Anfangs waren wir nicht sehr begeistert von der Idee, aber abgesehen von kalten Fingern hat es echt viel Spaß gemacht und gegen Abenteuer hatten wir beide nichts einzuwenden.

Als wir auf der anderen Seite dieser „Schneeschlucht“ wieder herauskamen, fanden wir uns in einem Strom von Freizeitbergsteigern wieder, die von der Steinlingalm zum Ostgipfel aufsteigen wollten. Wir wurden teils neugierig beäugt, wie wir da aus dem Schnee kamen. Für uns war es aber noch nicht vorbei. Die kleine und „feine“ Kletterpartie, die Tom mit uns noch vorhatte, verlief genau parallel dieses Wanderstromes und somit vor aller Augen. Diese Wand war für uns beide schon sehr beeindruckend und wir mussten kurz schlucken, als Tom uns zeigte, wo er mit uns noch hoch will. Schon zur ersten Exe zu gelangen, war kein leichtes Unterfangen für uns und dann auch noch vor Publikum. Nach mehreren Versuchen fanden wir endlich die Griffe und Tritte, die uns nach oben brachten. Der Schweiß stand uns auf der Stirn, aber wir wurden wieder mit dem Glücksgefühl belohnt, es geschafft zu haben. Nun noch ein letztes Mal abseilen. Diesmal ging es wirklich weit hinunter und das gewünschte Ziel war von oben nicht zu erkennen. Wir landeten diesmal direkt auf dem Wanderweg zum Ostgipfel. Nachdem wir unsere Kletterausrüstung weggepackt hatten, reihten wir uns ebenfalls ein in den Strom zum Ostgipfel. Es ist schon immer wieder faszinierend, zu beobachten, wer in den Bergen so unterwegs ist.

Auf dem Ostgipfel hielten wir uns nicht lange auf und traten bald wieder den Rückweg an. Bei einer Einkehr an der Steinlingalm ließen wir die Tour dann noch einmal Revue passieren.

Statt mit der Bergbahn talwärts zu fahren, nahmen wir den Talabstieg zu Fuß auf uns. Training muss sein! Kurz vor der Talstation kündigte sich dann aber doch der Wetterwechsel in Form von Donner und starkem Wind an. Die ersten Tropfen fielen schon, doch schafften wir es noch, einigermaßen trocken bis zum bzw. ins Auto zu kommen. Kurz danach kam der Regen seitwärts angeschossen, doch da saßen wir schon im Trockenen und bewunderten den aufziehenden Regenbogen aus dem Fahrzeuginneren.

 

Wir möchten uns herzlich bei unserem Guide Tom für die perfekt geplante und auf uns Anfänger abgestimmte Tour bedanken. Es war ein wirklich schönes und spannendes Erlebnis!


Gerne wieder!

Manuela Schrödl & Harriet Köhler
– OG Brünnstein –

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