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Glyphosat: Offener Brief an den Bundeslandwirtschaftsminister

Wilde ISar

Sehr geehrter Herr Bundeslandwirtschaftsminister!

Mit großer Sorge beobachtet das Umweltreferat der NaturFreunde Deutschlands im Bezirk München die derzeitige Debatte über die mögliche Prolongation der Zulassung des Herbizides Glyphosat.

Glyphosat ist das meist verbrauchte Unkrautvernichtungsmittel. Es  kommt auf ca. 40 Prozent  der Ackerflächen in Deutschland zum Einsatz und findet sich inzwischen in vielen Oberflächengewässern, teilweise auch bereits im Grundwasser. In den Böden ist Glyphosat stabiler als lange angenommen wurde. Rückstände von Glyphosat und seinem Abbauprodukt AMPA werden zunehmend auch in Lebensmitteln nachgewiesen.

Gemeinsam mit anderen Herbiziden hat Glyphosat auch zum Verschwinden vieler Wildkräuter in der Agrarlandschaft geführt. Glyphosat steht für die Intensivierung der Landschaft, die wegen des Kostendrucks zu vordergründig den billigsten Maßnahmen greift. Doch die Kehrseite ist ein mangelndes Nahrungsangebot in der Feldflur für zahlreiche Insekten, darunter mehr als 550 Wildbienenarten. Bei vielen Insektenarten gehen Anzahl und Masse teilweise dramatisch zurück. Entsprechende Studien haben in den vergangenen Wochen die Öffentlichkeit beunruhigt. Den Vertretern der Vogelwelt wie dem Rebhuhn oder der Feldlerche setzt auf Grund dieser Entwicklung ein mangelndes Nahrungsangebot zu. Ein großflächiger Einsatz dieses hochgiftigen Stoffes ist mit einer umweltverträglichen Landwirtschaft nicht zu vereinbaren.

Die von der Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (IARC) eingesetzte Arbeitsgruppe hat den Breitband-Herbizidwirkstoff als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft. Allein daraus ergibt sich in Verbindung mit dem in Artikel 2 Absatz 2 Grundgesetz garantierten Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit schon Ihre Verpflichtung, gegen eine weitere Zulassung des Herbizides Glyphosat zu stimmen.

Die NaturFreunde Deutschlands fordern ein sofortiges Verbot dieses hochgefährlichen Herbizides. Glyphosat muss sowohl für den privaten Gebrauch als auch für den Einsatz in der Landwirtschaft verboten werden.

Sehr geehrter Herr Bundeslandwirtschaftsminister, werden Sie Ihrer Verantwortung gerecht und stimmen Sie im zuständigen EU-Ausschuss gegen eine verlängerte Zulassung des Pflanzengifts!

Mit freundlichen Grüßen,
Hans Greßirer und Kurt Schiemenz
Umweltreferenten der NaturFreunde Deutschlands,
Bezirk München