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Umweltverbände rufen zu achtsamen Umgang in der Natur auf

Wilde ISar

Umweltverbände rufen zu achtsamen Umgang in der Natur auf

BUND Naturschutz (BN), Naturfreunde Deutschlands (NF) und Ornithologische Gesellschaft in Bayern (OG) freuen sich, dass die Bevölkerung seit Monaten sehr zahlreich die Natur zur Erholung aufsucht. Neben Erholungssuchenden, die sich respektvoll und naturbewusst in den Münchner Schutzgebieten und Wäldern aufhalten, stellen die Umweltverbände leider aber auch eine immer rücksichtslosere Naturnutzung fest. Deshalb rufen die drei Umweltverbände zu einem achtsamen Umgang mit der Natur auf.

„Der berechtigte Wunsch nach Erholung im Grünen darf nicht zur Zerstörung von Biotopen und zur Reduzierung der Artenvielfalt führen. Es ist inakzeptabel, dass nichts unternommen und die gravierende Verschlechterung in den Schutzgebieten von den Behörden geduldet wird. Vielen Tier- und Pflanzenarten wurde bereits ihr Lebensraum genommen, sie haben das Gebiet inzwischen verlassen“, sagt Manfred Siering, stellvertretender Vorsitzender der BN Kreisgruppe München und Vorsitzender der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern.

Beispielhaft führen die drei Umweltverbände die Übernutzungen im Isartal und in den Münchner Heideflächen an:
Immer stärker genutzt wird das Isartal im Süden der Stadt. Das Isartal ist eine äußerst wichtige Wander- und Ausbreitungsachse zwischen den Alpen und dem Donauraum. Die Bedeutung liegt in der Möglichkeit zum genetischen Austausch, welcher für Pflanzen und Tiere unverzichtbar ist und Isolation und letztlich das Aussterben von Arten verhindert.

„Heute finde ich überfahrene junge Vögel und Spitzmäuse. Die bis vor 15 Jahren im Talboden überwinternden Waldschnepfen sind seit einigen Jahren verschwunden. Tag und Nacht wird das Isartal genutzt. Es tritt keine Ruhe mehr ein. An der Isar muss es endlich zu einer klaren Regelung des bisher völlig ungezügelten Mountainbike-Nutzung in den wertvollen Rückzugszonen kommen“, ergänzt Siering.

Bemühungen der Bayerischen Staatsforsten, Schutzzonen für Fauna und Flora zu schaffen, werden von den Menschen ignoriert. So wurden gefällte Bäume, die zur Blockierung von wilden, illegalen Trails gedacht sind, mittels Akku-Kettensägen durchtrennt. „Derartige Störungen haben auch das Uhupaar bei der Grünwalder Burg im letzten Jahr zur Aufgabe ihrer Brut veranlasst“, berichtet Siering.

Immer intensiver genutzt werden auch die Münchner Heidegebiete, die unter Naturschutz stehen. Schutzziele und Regelungen wie Betretungsverbote, Leinenpflicht oder die Schonung sensibler Bereiche werden häufig ignoriert. In den Heidegebieten im Münchner Norden ist 2020 die Brut der Feldlerchen, einem früher häufigen Bodenbrüter, durch intensive Sportnutzung, Missachtung des Wegegebotes und frei laufende Hunde auf den weitläufigen Heideflächen weitgehend gescheitert.

„Es ist wichtig, dass sich die Menschen in der Natur erholen und den Kopf von Alltagsbelastungen frei bekommen. Dennoch braucht es deutlich mehr Achtsamkeit beim Besuch der Heideflächen. Das Stören der Feldlerchenbrut darf sich dieses Jahr keinesfalls wiederholen. Rücksichtsvolles Verhalten ermöglicht tolle Naturerlebnisse und der vierbeinige Liebling darf an der kurzen Leine gerne mit dabei sein!“, stellt Hans Greßirer, Leiter der Landesfachgruppe Arten- und Biotopschutz der Naturfreunde Deutschlands fest.

Die Umweltverbände berichten von der Misshandlung laichender Amphibien, vom Herausholen des Amphibienlaichs aus den Laichgewässern oder der Entnahme der Kaulquappen. Dabei sind der Amphibienlaich, die Kaulquappen sowie Frösche und Kröten wie alle Amphibien streng geschützt.

„Mit seinen Kindern Kaulquappen an einem Tümpel, dem Kinderzimmer der Frösche, zu beobachten, ist faszinierender und hinterlässt bei den Kindern mehr Eindruck, als durch das Hineinwerfen von Steinen oder Stöcken auch noch das Kinderzimmer der kleinen Frösche zu zerstören“, ist Greßirer überzeugt.

BN, NF und OG fordern die Behörden auf, rasch geeignete Besucherlenkungsmaßnahmen in den Münchner Schutzgebieten umzusetzen und Aufklärungsarbeit zu leisten. Fest angestellte Ranger oder Gebietsbetreuer sollten vor Ort die Erholungssuchenden informieren und für diese ansprechbar sein. Zudem muss das Isartal zwischen Thalkirchen und Schäftlarn endlich Naturschutzgebiet werden. „Wem bewusst ist, dass er bei einem Aufenthalt in einem Schutzgebiet bei der Natur zu Gast ist, wird Beunruhigungen möglichst vermeiden, sich über die im Schutzgebiet geltenden Regeln informieren und sich bei seinem Aufenthalt richtig verhalten. Fauna und Flora werden es den Besuchern danken“, meint Greßirer.